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Recht auf Vergessenwerden: Der vollständige Ratgeber

Das Recht auf Vergessenwerden ist eines der mächtigsten Instrumente, die EU-Bürgern zum Schutz ihrer digitalen Privatsphäre zur Verfügung stehen. Es ermöglicht die Deindexierung bestimmter Informationen aus Suchmaschinen und — unter bestimmten Umständen — die Löschung personenbezogener Daten durch Verlage und Online-Plattformen. Dieser Ratgeber erklärt alles, was Sie wissen müssen — von der rechtlichen Grundlage über den Antragsprozess bis zu den Grenzen des Rechts.

Autor: Anthony Will, CEO & Co-Founder Aktualisiert: 25. Mai 2026 Sprache: Deutsch 🌐 Englisch lesen
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WAS IST DAS RECHT AUF VERGESSENWERDEN?

Was ist das Recht auf Vergessenwerden?

Das Recht auf Vergessenwerden ist ein Datenschutzrecht, das in der EU durch DSGVO Artikel 17 (‘Recht auf Löschung’) kodifiziert ist. Es gibt Einzelpersonen das Recht, von Datenverarbeitern — einschließlich Suchmaschinen wie Google — die Löschung personenbezogener Daten zu verlangen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. In Deutschland ergänzt das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) die DSGVO mit spezifischen nationalen Regelungen.

Der Begriff "Vergessenwerden" ist etwas irreführend: Das Recht erzwingt keine vollständige Löschung aller Informationen über Sie aus dem Internet. Es gibt Ihnen das Recht, von Suchmaschinen die Deindexierung bestimmter URLs zu verlangen, sodass diese Links bei der Suche nach Ihrem Namen nicht mehr erscheinen.


WAS ES TUT UND NICHT TUT

Was das Recht auf Vergessenwerden tatsächlich tut (und nicht tut)

Es tut: Ermöglicht die Deindexierung von URLs aus europäischen Google-Suchergebnissen; kann zur Löschung personenbezogener Daten bei Verlagen und anderen Datenverarbeitern verpflichten (wenn kein überwiegendes öffentliches Interesse besteht); gibt Ihnen das Recht, Beschwerde bei der Datenschutzbehörde einzureichen, wenn Anträge ignoriert werden.

Es tut nicht: Ermöglicht keine Entfernung aller Informationen über Sie aus dem Internet; gilt nicht für google.com oder andere Nicht-EU-Suchergebnisse; gilt nicht für Informationen, bei denen ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht (aktuelle politische Relevanz, öffentliche Personen usw.).


WER QUALIFIZIERT SICH?

Auf wen das Recht auf Vergessenwerden zutrifft

Das Recht gilt für alle natürlichen Personen in der EU und dem EWR. Deutsche Staatsbürger und Bewohner Deutschlands haben volle DSGVO-Rechte. Nicht qualifiziert: juristische Personen (Unternehmen, Organisationen), Informationen im ausschließlich privaten Bereich ohne öffentliche Relevanz, und Fälle, bei denen das öffentliche Informationsinteresse eindeutig überwiegt.


DIE SECHS GRÜNDE UND DER VERHÄLTNISMÄSSIGKEITSTEST

DSGVO Artikel 17: Die sechs Gründe und der Verhältnismäßigkeitstest

DSGVO Artikel 17 nennt sechs Gründe für das Recht auf Löschung. Gegen dieses Recht gibt es Ausnahmen, insbesondere für journalistische Zwecke und öffentliche Interessen (Art. 17 Abs. 3). Google wendet einen Verhältnismäßigkeitstest an, bei dem das Privatsphäreinteresse der Person gegen das öffentliche Informationsinteresse abgewogen wird.


HÄUFIGE FRAGEN

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Recht auf Vergessenwerden?
Das Recht auf Vergessenwerden ist ein Datenschutzrecht, kodifiziert in DSGVO Artikel 17, das EU-Bürgern ermöglicht, von Suchmaschinen die Deindexierung bestimmter URLs zu verlangen und von Verlagen und anderen Datenverarbeitern die Löschung personenbezogener Daten.
Gilt das Recht auf Vergessenwerden in den USA?
Nein. In den USA gibt es kein vergleichbares gesetzliches Recht auf Vergessenwerden. Die Pressefreiheit (Erster Zusatzartikel zur US-Verfassung) bietet starken Schutz für veröffentlichte Informationen. Einige US-Bundesstaaten haben begrenzte Datenschutzrechte eingeführt (z.B. CCPA in Kalifornien), die aber wesentlich schwächer sind als die DSGVO.
Zwingt ein erfolgreicher RTBF-Antrag Verlage zur Artikellöschung?
Nein. Ein erfolgreicher Google-RTBF-Antrag verpflichtet nur Google zur Deindexierung. Der Verlag ist davon nicht unmittelbar betroffen — der Artikel bleibt auf seiner Webseite. Eine separate Anfrage beim Verlag ist notwendig, um den Artikel an der Quelle zu entfernen.
Warum scheitern die meisten RTBF-Anträge für Nachrichtenartikel?
Die häufigsten Gründe: unzureichende Begründung (kein konkreter DSGVO-Tatbestand), der Artikel betrifft eine öffentliche Person, das öffentliche Informationsinteresse überwiegt eindeutig, oder der Antragsteller ist selbst eine öffentliche Figur in der beschriebenen Situation.
Betrifft das Recht auf Vergessenwerden auch KI-Tools wie ChatGPT?
Technisch gesehen ja — die DSGVO gilt für alle KI-Systeme, die personenbezogene Daten von EU-Bürgern verarbeiten. In der Praxis ist die Durchsetzung gegenüber KI-Modellen, die Daten in ihre Trainingsdaten aufgenommen haben, noch komplex und rechtlich nicht vollständig geklärt. Echtzeit-KI-Suchwerkzeuge, die das Web durchsuchen, sind direkter beeinflussbar durch Deindexierung bei Suchmaschinen.

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